Die Privatbankiers stellen die älteste Unternehmensform im schweizerischen Bankwesen dar. Als ursprüngliche Warengrosshändler, Kommissonäre oder Spediteure wandten sie sich über das mit dem Warengeschäft zusammenhängende Kredit- und Wechselgeschäft ausschliesslich dem Bankgeschäft zu. In der Geschichte tauchen Namen von Persönlichkeiten und Familien auf, welche berühmte Vorläufer der heutigen Privatbankiers sind.
Einer dieser Vorgänger, Cosimo de Medici, eröffnete im 15. Jahrhundert, anlässlich des Basler Konzils, einen der ersten Bankläden.
Mit der Reformation im 16. Jahrhundert und mit dem Calvinismus fanden Religionsflüchtlinge von ganz Europa, aber hauptsächlich aus Frankreich und Italien, Zuflucht in Genf. Darunter befanden sich auch einige Bankiers, die dort begannen, ihre Talente zu entwickeln. Im 18. Jahrhundert gelangte der Genfer Privatbankier Jacques Necker zu besonderem Ruhm, weil er von Louis XVI zum königlichen Schatzmeister und Finanzminister ernannt wurde.
Noch heute können zahlreiche Privatbankiers ihre Herkunft bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Zu jenen Zeiten handelten sie als Universalbankiers, die ihren Kunden die gewünschten Kredite vermittelten. Die Privatbankiers waren bis in die Zeit der Vor- und Frühindustrialisierung die wichtigsten und einflussreichsten Träger des gesamten Kreditwesens.
Mit der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fiel es ihnen immer schwerer, den zunehmenden Kreditbedürfnissen gerecht zu werden, und gleichzeitig ihre Rechtsform mit der unbeschränkten Haftbarkeit der Teilhaber beizubehalten. So entstanden, oft auf Anlass von Privatbankiers, die ersten Kreditinstitute in Form von Aktiengesellschaften. Die Zahl der letzteren nahm zu während die der Privatbankiers abnahm. Gleichzeitig mit diesem Rückgang der Zahl der Privatbankierhäuser erfolgte eine Zunahme der Grösse der Privatbankierhäuser wobei mehrere von ihnen internationale Dimensionen erreicht haben.
Das erste Drittel des 20. Jahrhunderts war für die Privatbankiers einerseits geprägt von Zeiten starker Prosperität aufgrund der Anleihensemissionen des Bundes, der Kantone und Städte und dem damit verbundenen Effektenhandel. Die Privatbankiers waren insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg sehr aktiv in der Vermittlung dieser Anleihen in Verbindung mit verschiedenen amerikanischen Banken. Anderseits dezimierten die Wirtschaftsdepressionen und politischen Umwälzungen mit den damit verknüpften Bankenkrisen auch die Anzahl ihrer Häuser. Mit der Einführung des Bankengesetzes von 1934 wurde der relativ breite Handlungsspielraum der Banken zum Zwecke eines verstärkten Gläubigerschutzes mit der Forderung nach einer soliden Kapitalbasis eingeschränkt, wobei den Privatbankiers wegen ihrer Geschäftstruktur bankengesetzliche Privilegien zugestanden wurden.
Während und nach dem Zweiten Weltkrieg verstärkten die Privatbankiers ihre Ausrichtung auf das Börsen- und Wertschriftengeschäft und profilierten sich weltweit als anerkannte Spezialisten der Vermögensverwaltung.
In den letzten zwei Jahrzehnten haben sich die Aktivitäten der Schweizer Privatbankiers sehr rasch entwickelt und einzelne von ihnen haben diese insbesondere im Ausland bedeutend ausgebaut. Auch die von den Mitgliedern der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers verwalteten Vermögen haben stark zugenommen.
Unsere Mitglieder