Die Privatbankiers: eine einmalige Alternative in der BankenlandschaftMediengespräch der VSPB – 12. Januar 2012Nicolas Pictet, Teilhaber, Pictet & CiePräsident der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers Unsere traditionelle Pressekonferenz findet dieses Jahr in einem Umfeld statt, das vielleicht das schwierigste der vergangenen
Die Schwierigkeit beruht auf verschiedenen Ursachen, die sich addiert haben:
Zuerst möchte ich jedoch ein aktuelles Thema kommentieren: Die Anschuldigungen gegenüber mehreren Banken in den USA, unter denen sich auch ein Privatbankier befindet. Ich möchte verschiedene Punkte hervorheben:
Noch eine Bemerkung. Wenn einerseits die Finanzintermediäre das Gesetz in den Ländern respektieren müssen, in denen sie tätig sind, so muss andererseits dem zunehmenden Trend zu einer extraterritorialen Anwendung der Gesetze eines Landes unbedingt ein Riegel geschoben werden. Eine solche extraterritoriale Anwendung stellt für ein kleines Exportland wie die Schweiz eine unerträgliche Drohung dar. *** Wir sind mit drei grossen strukturellen Veränderungen konfrontiert:
Diese strukturellen Veränderungen, die sich für die Vermögensverwaltung sehr nachteilig auswirken, geschehen im Rahmen einer allgemeinen Infragestellung der Banken. Es muss klar und deutlich gesagt werden: Viele Finanzinstitute haben in den vergangenen zehn Jahren die Tatsache aus den Augen verloren, dass für die Kunden ein Mehrwert geschaffen werden muss. So ist durch Eigengeschäfte, die keine Dienstleistung für den Kunden darstellen (das heisst durch Geld für immer noch mehr Geld) ein Teil der Finanzwelt "vergiftet" worden. Gleichzeitig schnellten vor allem bei den US-Geschäftsbanken die Vergütungen in die Höhe, was zu einem wachsenden Unverständnis in der Öffentlichkeit beitrug. Es ist höchste Zeit, sich diese Tatsache einzugestehen und die Taktik zu ändern. Zu dieser Korrektur gehört meines Erachtens eine klare Unterscheidung zwischen der Geschäftsbank und den Aktivitäten des Retail Banking und der Vermögensverwaltung. Die Schweiz hat mit ihrem "Too big to fail" Gesetz rasch reagiert. Es braucht aber unbedingt noch einen weiteren Schritt. Dies ist jedoch aus mindestens zwei Gründen nicht einfach: Bestimmte Teilbereiche der Geschäftsbanken sind von allgemeinem Nutzen für die Wirtschaft, und für eine vollständige Trennung würde Kapital benötigt, das in diesen schwierigen Zeiten nicht einfach zu beschaffen ist. Aus diesem Grund würde ich es vorziehen, wenn die Banken diese Massnahmen selber treffen würden, bevor sie vom Gesetzgeber oder der Aufsichtsbehörde dazu gezwungen werden. Im Weiteren liegt ganz klar auf der Hand, dass ein etablierter Finanzplatz für die Wirtschaftstätigkeit eines Landes nützlich ist. So wird bei der Unterscheidung, die allzu oft zwischen der Finanzwelt und der sogenannten « realen Wirtschaft » gemacht wird, die Tatsache übersehen, dass die Unternehmen ohne den Zugang zu möglichst günstigen Krediten und den heute verfügbaren Instrumenten zum Risikoschutz nicht florieren können. Um sich davon zu überzeugen, genügt ein Blick auf die umliegenden Länder. Ein letzter Punkt: Es soll nicht eine gesamte Berufsgruppe, die ihre Kunden korrekt bedient, für die Fehler einiger weniger bestraft werden. Und es soll damit aufgehört werden, das Leben für die Kunden unmöglich zu machen. Diese leiden als erste unter einer Überregulierung, manchmal sogar dann, wenn die betreffenden Vorschriften angeblich zu ihrem Schutz eingeführt wurden. Es ist falsch, die Finanzwelt zu einem Sündenbock für alles uns widerfahrene Leid zu machen.
Ich möchte an dieser Stelle einige Punkte klarstellen:
Es gibt weder Komplott noch Diktatur. Der Markt ist vielmehr eine Art Thermometer. Und es bringt nichts, diesen zu zerbrechen, wenn man Fieber hat.
Welche Reaktionen sind angesichts dieses zunehmend schwierigen Umfelds möglich?
Um die Exportindustrie zu erhalten, brauchen wir verschiedene Sachen zusammen:
Um diese drei Ziele zu verwirklichen, muss die Welt nicht neu erfunden werden. Gelegenheiten zum Handeln haben wir, und wir werden sie auch weiterhin haben. Dazu gehören die Revision des Bundesgesetzes über die kollektiven Kapitalanlagen, die Umsetzung der vom Bundesrat in seinem Bericht in Beantwortung des Postulats Graber formulierten Massnahmen vom Dezember 2009 und die Abkommen mit Deutschland und Grossbritannien über eine Abgeltungssteuer für Staatsangehörige dieser Länder mit Konten bei Banken in der Schweiz. Selbstverständlich müssen diese Abkommen – mit dem auf beiden Seiten beschlossenen materiellen Inhalt – noch ratifiziert werden. Mein Kollege Christoph Gloor wird auf den «Graber-Bericht» und die strategischen Stossrichtungen für die Finanzmarktpolitik zurückkommen, die vor zwei Jahren vom Bundesrat festgelegt wurden, denn wir haben festgestellt, dass bei den internen Rahmenbedingungen noch viel zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz zu tun bleibt. Dennoch blicken wir zuversichtlich in die Zukunft. Wir vertrauen auf unsere Trümpfe als Privatbankiers: Auf unser Know-how, auf unsere Qualität und auf unsere Dienstleistungen. Wir vertrauen auf unser Geschäftsmodell. Wir haften unbeschränkt mit unserem Vermögen, wir sind spezialisiert und auf die langfristige Erzielung eines Mehrwerts für unsere Kunden fokussiert. Wir bieten eine einmalige Alternative in der heutigen Bankenlandschaft. Dies wird auch durch unseren Erfolg im abgelaufenen Jahr belegt. |